keltische_tuin1

Was man wirklich weiß
Wegen des Mangels an eigenen Schriftdokumenten beruhen die Kenntnisse über die Kelten auf teils sehr unsicheren Quellen der Geschichtsschreibung ihrer mediterranen Nachbarn, (antikes Griechenland, Römisches Reich) sowie auf archäologischen Funden.

Berichte spätantiker Autoren lassen vermuten, dass die keltischen Stämme hierarchisch strukturiert waren und Führungspersönlichkeiten (Fürsten) sowie geistige und spirituelle Führer (Druiden) die oberen Gesellschaftsschichten formten. Auch über die keltische Mythologie gibt es kaum direkte schriftliche Quellen. Vermutlich wurden schriftlich Aufzeichnungen auf dauerhaftem Material bewusst vermieden. Überlieferungen wurden fast ausschließlich mündliche weitergegeben.

Mit Vorsicht darf davon ausgegangen werden, dass es für den keltischen Raum (das Celticum) keine einheitliche mythologische Tradition gab. Die große Zahl regionaler Mythen befand sich kaum im Einklang untereinander. In Irland trafen sich die heidnische Gedächtniskultur und die christlich-monastische Schriftkultur. Diese versuchte, die mündlichen Überlieferungen in schriftlicher Form fest zu halten. Die Funde von Gegenständen des täglichen Gebrauchs sowie von Grabbeigaben bezeugen allerdings hohe Fertigkeiten der Kelten auf vielerlei Gebiet.

„Von den Festlandskelten kennen wir (zum Teil wenigstens) die Religion, aber keine Mythologie, wogegen die Inselkelten die Mythologie in einer Zeit literarisch gestalteten, als die zugrundeliegende Religion nicht mehr existierte.“ (Helmut Birkhan)

Die ‚Ogham-Schrift‘ ist höchstwahrscheinlich eine Codierung eines, den Kelten bekannten, Alphabets, entweder des Latein oder des Griechischen. Mit den Zeichen wurden Steine oder Holzstöckchen beschriftet um damit Gegenstände (meist wohl Handelswaren) zu zählen. Von den einzelnen Buchstaben wurden einige mit Baumnamen bezeichnet, die mit dem zugehörigen Laut beginnen. Die archäologischen Funde der mit Zeichen der Ogham-Schrift gravierten Steine und Holzstäbchen bietet Raum für Interpretationen. Für die Überzeugung der ‚Neuheiden‘, dass die Kelten versuchten, damit die Zukunft zu weissagen gibt es keine Belege. Das sog. keltische Baumhoroskop hat seinen Ursprung im 1948 erschienen Buch „The White Goddess“ (Die weiße Göttin) des britischen Schriftstellers und Dichters Robert Graves. Er ordnete willkürlich abgeleitete Ogham-Zeichen einzelnen Bäumen zu und fügte diese zu einem keltischen Baumkalender zusammen. Bald schon kursierten unterschiedliche Variationen dieses Baumkalenders. Die heute bekannteste geht auf einen Artikel von Paula Delsol im Lifestyle-Magazin „Marie Claire“ aus dem Jahr 1971 zurück. Sie erfand etliche Horoskopsysteme, die ‚alten‘ Kulturen nachempfunden waren. Darunter eben auch eine neue Ausgabe des sog. keltischen Baumhoroskops. Belege konnten dafür nicht gefunden werden.

Historisch lässt sich bei den Kelten ein Baumhoroskop zur Wahrsagung weder durch Quellen noch durch Funde belegen. Als gesichert gilt, dass die Kelten Bäume und vor allem Wäldern eine tiefe Verehrung entgegen brachten. Der Begriff ‚Druide‘ ist mit dem Wort für ‚Eiche‘ verwandt und Plinus erwähnt, dass von der Eiche Mistelzweige gepflückt wurden.

Da die Kelten für ihre bäuerliche Lebensweise die genauen Zeitpunkte für Aussaat und Ernte wissen und ebenso die Stimmungen der Götter und den Verlauf von Krankheiten bestimmen wollten, waren für sie die genaue Beobachtung von Himmel und Wetter wichtig.

Allerdings ist für die verschiedenen Stämme der Kelten kein einheitliches Kalendersystem nachweisbar. Die Festland-Kelten, so lässt der archäologische Fund des Kalenders von Coligny vermuten, benutzten einen lunisolaren Kalender, der sich sowohl nach der Sonne als auch nach dem Mond richtete. Da die Mondmonate nicht mit den Sonnenjahren übereinstimmen, musste nach zweieinhalb Jahren jeweils ein Schaltmonat eingeschoben werden. Für die inselkeltischen Stämme wird meist der irische Kalender als Beispiel herangezogen. Da die keltische Wirtschaft auf Ackerbau und Viehzucht basierte, waren die jeweiligen Kalender sicher immer auf den bäuerlichen Jahresablauf der entsprechenden Gegend abgestimmt. Da aber z.B. Irland andere klimatischen Verhältnisse hatte als Wales, Schottland oder gar Festlandgebiete, sind Übereinstimmungen zwischen den Kalendern weder zu erwarten noch zu finden.

Pflanzenmythologie